"Als Gott die Erde schuf, stolperte er über den Kaukasus und ließ alle seine Schätze fallen."
(georgisches Sprichwort)




Aserbaidschan, Georgien & Armenien

Transkaukasien bildet eine Landbrücke zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer mit den Staaten Armenien, Georgien und Aserbaidschan. Alle drei Länder waren von 1922 bis Dezember 1991 Teile der Sowjetunion und sind jetzt autonome Staaten. Das Angebot einer Rundreise durch dieses Gebiet hat unsere Neugier geweckt. Die Reise beginnt in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Weiter geht es in einem Kleinbus durch alle drei Länder.

Frankfurt - Baku

Dienstag, 24. Juni 2025. Wir fliegen knapp fünf Stunden nach Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans. Am Ziel treffen wir unseren Reisebegleiter Steffen und zehn andere Reiseteilnehmer. In Baku ist es wegen der Zeitverschiebung von plus zwei Stunden fast Mitternacht, als wir im Central Park Hotel ankommen.


Baku und Umgebung, 65 km

Mittwoch, 25. Juni. Wir fahren auf die Halbinsel Abseron, die reich an Erdgasvorkommens ist. Bereits in der Antike brannten hier natürliche Feuer. Yanar Dag (auf Deutsch: brennender Berg) ist so ein Feuer am Hang eines Hügels, das als Touristenattraktion gilt. Nächste Station ist der Ateshgah-Tempel, der auch als „Feuertempel von Surakhani" bekannte ist. Die fünfeckige Anlage aus dem 18. Jahrhundert besteht aus einem Innenhof mit einem Viersäulenaltar im Zentrum und umgeben von Mönchszellen. Die natürliche Ewige Flamme erlosch 1969. Im Jahr 1975 wurde der Tempel zum Museum umgewidmet; die Flamme wird heute durch eine Gasleitung gespeist. Mittags bringt uns der Bus zurück nach Baku. Unsere Stadterkundung beginnt am Jungfrauenturm, am Rand der teilweise erhaltenen Altstadtmauern. Beim Rundgang löst sich die Gruppe schnell auf und beim Aufgang zum Palast der Schirwanschahs sind wir allein unterwegs. Wir laufen aus der Altstadt heraus durch eine Straßenunterführung zum Park Milli mit seinen einladenden kühlen Ruheplätzen und der schönen Uferpromenade. Den Abend genießen wir mit Doris und Bernhardt im Restaurant Naduqi mit sehr guter Küche und lokalem Rotwein.
Fazit Baku - eine positive Überraschung für uns. Die Menschen sind freundlich, offen und hilfsbereit. Viele sprechen Englisch. Die Stadt ist picobello sauber. Keine Graffitis, kein Müll auf den Straßen, keine verwahrlosten Ecken. Grünanlagen und Boulevards wirken gepflegt. Das Straßenbild ist angenehm: Die Menschen kleiden sich stilvoll und kultiviert.


Baku - Gobustan Nationalpark - Shamakhi – Sheki, 390 km

Donnerstag, 26. Juni. Steffen hat eine WhatsApp Gruppe eingerichtet, wo er uns über das Tagesprogramm informiert. Gestern Abend konnten wir lesen: kurzer Programmüberblick für Morgen. 8:30 Uhr Abfahrt, mit Gepäck zum Bus kommen. Kurze Fahrt zur Bibi Heybat Moschee und Besichtigung (lange Hosen, Damen: Kopftuch). Danach nach Gobustan, dort Besichtigung der archäologischen Stätte und des zugehörigen Museums sowie Fahrt (mit Taxis) zu den Schlammvulkanen. Dann über 300 km Fahrt über Shamaxi nach Sheki. Ankunft später Nachmittag. Unterwegs Stopp bei einem Supermarkt um sich für's Mittagessen zu versorgen. Übernachtung in einer Carevanserai. Und genau so verlief der Tag.
Die Bibi-Heybat-Moschee wurde im 13. Jahrhundert, in der Zeit des Schirwahshahs errichtet und 1936 während der Kampagne des militanten Atheismus unter Stalin von Bolschewiki zerstört. In der postsowjetischen Zeit wurde die Moschee wieder aufgebaut und am 11. Juli 1997 feierlich ihrer Bestimmung übergeben.

Wir verlassen Baku und fahren zum Gobustan Nationalpark. Wir entscheiden uns gegen die Schlammvulkane und warten in der Sonne im Bus auf die Ausflügler. Abkühlung gibt es dann im klimatisierten NP Museum. Die Ausstellung zeigt bei archäologischen Ausgrabungen gefundene Werkzeuge und andere Haushaltsgegenstände sowie zahlreiche historische Felsmalereien. Nach dem Museumsbesuch suchen wir im NP nach den heute noch sichtbaren Felszeichnungen. Gegen Mittag setzten wir unsere Fahrt nach zur Carevanserai in Sheki fort. Was für ein besonderer Ort. Wir wollen uns im Garten mit einem Bier erfrischen und erfahren, dass hier aus religösen Gründen kein Alkohol ausgeschenkt wird, mitgebrachte Getränke aber gestattet sind. Schnell laufen wir über die Straße und kaufen in der Weinhandlung gegenüber der Caravanserei den Wein zum Abendessen ein.

Sheki - Telavi, Georgien, 200 km

Freitag, 27. Juni. Beim Frühstück im Garten der Karawanserei ist Tee inklusive, Kaffee ist gegen Bezahlung auch erhältlich. Die Gruppe sitzt vollständig am Tisch also ist endlich Zeit für die Djoser-Vorstellungsrunde. Wir besichtigen den Palast in Sheki, die Sommerresidenz der Khans war. Vom 18. bis ins frühe 19. Jahrhundert war Aserbaidschan in verschiedene Khanate unterteilt – selbstständige Fürstentümer, die jeweils von einem Khan regiert wurden. Sheki war eines dieser Khanate, und sein Palast zeugt von der kulturellen Blüte dieser Epoche. Die Fahrt zum Grenzübergang unterbrechen wir für einen Einkauf im Spar-Supermarkt zum Mittagessen, was überhaupt nicht mein Fall ist aber die Gruppe sieht das anders. Wir erreichen die Grenze und müssen in der prallen Sonne mit unserem Gepäck einen sehr langen holprigen Stufenweg zum georgischen Übergang laufen -uff. Auf georgischer Seite erwartet uns ein neuer Busfahrer und ein anderer Mercedes Sprinter, der wesentlich mehr Platz bietet. Wir fahren zum Weingut Khareba und genießen eine kleine Weinverkostung. Die Weinkeller befinden sich in 7km Tunnel, die einst unter Umständen zum Schutz vor einem Atomangriff angelegt waren. Lächelnd erklärt die Winzerin mit Augenzwinkern, das der Wein hier noch traditionell produziert wird: nur lachende glückliche Menschen dürfen die Trauben zertreten damit das Glück in den Wein übergeht. Das Hotel Hillside Resort liegt am Rande der Stadt Telavi. Es hat Zimmer für uns und einen Pool aber kein Abendessen. Wir laufen ins nächst gelegene Restaurant Zodiako. Am Ende treffen sich acht Leute an unserem Tisch und es wird ein sehr angenehmer Abend.

Telavi - Sighnaghi - Tiflis/Tiblissi, 175 km

Samstag, 28. Juni. Wir können uns Zeit lassen zum Frühstück weil die Festung Telavi erst um 10 Uhr öffnet. Hinter hohen Festungsmauern befindet sich der Palast von König Erekle II, eine Kirche und ein Park. Wir besichtigen den Palast und besuchen in dem kleinen Museum die Gemäldegalerie. Unser nächstes Ziel ist die kleine Stadt Sighnaghi, die auf einem Hügel angelegt ist und Weitblick in die Umgebung bietet. Die Stadt hat eine gut erhaltene Stadtmauer aus dem 18. Jahrhundert. Sighnagi wurde in den letzten Jahren saniert und touristisch voll erschlossen. Wegen ihrer besonderen Lage und dem Reiz der Altstadt wird der Ort häufig als Schauplatz für standesamtliche Trauungen gewählt, was Sighnaghi den Beinamen 'Stadt der Liebe' eingebracht hat. Nach unserem Stadtbummel nehmen wir uns Zeit für ein kleines Mittagsmahl auf der schattigen Terrasse eines Restaurants. Die Fahrt geht weiter zum alten Frauenkloster Bobde. Die Basilika des Klosters wurde der Legende nach auf dem Grabmal der Heiligen Nino errichtet. Nino (*325 - †361) soll das Christentum nach Georgien gebracht haben. Sie wird mit dem Titel "Erleuchterin Georgiens" geehrt. Das Bodbe Kloster ist ein Wallfahrtsort der georgisch-orthodoxen Kirche. Wir erholen uns im Schatten der Zypressen des Klostergartens. Am Abend erreichen wir in Tiblissi das moderne Hotel Moxy am Ufer der Kura.

Tiflis/Tiblissi

Sonntag, 29. Juni. Der Himmel ist stark bewölkt, keine guten Aussichten für schöne Fotos vom Stadtrundgang durch Tiblissi. Wir laufen über die Saarbrücken Brücke durch zwei Parks zur Kaschweti-Kirche. Weiter entlang des Rustaweli-Boulevards, der Prachtstraße Tiblissis zum Freiheitsplatz, der neben dem Rathaus von der auf hohem Sockel stehenden goldenen Statue des Heiligen Georg dominiert wird. Entlang der in Teilen erhaltenen Stadtmauer kommen wir in die Altstadt und über die Friedensbrücke geht es am anderen Ufer zurück zum Hotel.

Tiflis - Mzcheta - Gergeti - Gudauri, 215km

Montag, 30. Juni. Heute geht es in den Großen Kaukasus. Wir fahren zum Kloster Jvari (Dschawri), das auf einer Anhöhe über dem Zusammenfluss von Kura und Aragwi oberhalb von Mzcheta liegt. Von der Anhöhe sehen wir auf die Swetizchoweli-Kathedrale, die wir als nächstes besichtigen. Kurz hinter Mzcheta fahren wir auf die Georgische Heerstraße, dem seit der Bronzezeit bestehenden Verbindungsweg zwischen Nord und Südkaukasus. Am Zhinvali Staudamm gibt es einen Fotostopp mit Blick auf den See und vielen Souvenirständen. Wir fahren weiter zur Ananuri Festung.

Die Georgische Heerstraße verläuft entlang eines uralten Karawanenwegs, der vom Norden des Großen Kaukasus in die Länder des Orients führte. Sie ist aktuell die einzige offizielle Verbindung zwischen Russland und Georgien. Jeglicher Straßenverkehr mit dem Ziel Russland muss über diese Straße fahren. Deshalb sehen wir auf der Fahrt nach Stepanzminda scheinbar unendliche Kolonnen von Lastwagen, die wie wir die steilen Serpentinen und Haarnadelkurven bewältigen. Am Kreuzpass mit Passhöhe 2395m befindet sich ein Denkmal und Friedhof von deutschen Kriegsgefangenen. In Stepanzminda steigen wir um in Taxis, die uns zum Gergeti Kloster (2.170m) hinauffahren. Das Kasbek Massiv bleibt mit dem 5000ender Kasbek lässt sich in dichten grauen Wolken nur erahnen. Der Kasbek soll jener Berg der griechischen Mythologie sein, an den Prometheus gekettet wurde, weil er den Göttern das Licht stahl. Nach dem Mythos fraß ein Adler täglich die immer nachwachsende Leber aus dem Leib. Wir fahren zurück zum Hotel nach Gudauri mit Fotostopps beim georgischen Pamukkale und am georgisch-russischen Freundschaftsdenkmal, einem monumentalen Relikt aus der Sowjetzeit.

Gudauri - Gori - Kutaissi, 320 km

Dienstag, 01. Juli. Vor uns liegt ein langer Fahrtag mit wenigen kurzen Aufenthalten. Auf der E117 geht es zurück nach Mzcheta, wo wir nach Westen abbiegen. Wir halten in Gori, der Geburtsstadt von Josef Stalin. Bernd besucht das Museum und Eva besucht den Park. Sie kann den hier offensichtlichen Stalin Kult nicht verstehen. Wir fahren weiter zur Höhlenstadt Upliszische. Die in Sandstein gehauene Felsstadt liegt gut geschützt in einer Schlucht am Fluss Kura. Sie soll die älteste Höhlenstadt an der Seidenstraße sein. Zum späten Mittagessen teilen wir uns eine Khachapuri, ein traditionelles Brot, das mit Käse gefüllt ist. Wir fahren ohne weitere Unterbrechung nach Kutaissi und besichtigen in der Abenddämmerung die Festung, genannt Bagrati Kathedrale, bekannt für ihre byzantinische Architektur und die Überreste von farbenfrohen Fresken

Kutaissi - Schwarzes Meer - Batumi 185 km

Mittwoch, 02. Juli. Wenige Kilometer entfernt von Kutaissi thront das Kloster Motsameta auf einem Klippenvorsprung über dem Tal des mäandrierenden Tskaltsitela-Fluss. Das Kloster ehrt David und Konstantin, die als Märtyrer von der Orthodoxen Kirche Georgiens heiliggesprochen wurden. Der Legende nach stellten sich die Brüder im 8. Jahrhundert den eindringenden Arabern entgegen. Als ihre Rebellion scheiterte und sie sich weigerten, zum Islam zu konvertieren wurden sie zu Tode gefoltert. Ihre Körper wurden in den Fluss geworfen, der für immer seine Wasser rot färbte – Tskaltsitela, der Fluss des roten Wassers.
Noch eindrucksvoller soll das Kloster Gelati sein, das aber wegen einer Komplettsanierung aktuell geschlossen ist. Also auf nach Batumi, die Hafenstadt am Schwarzen Meer. Wir halten am belebten Miracle Park. Hier steht der 130m hohe Alphabetturm, der die 33 Buchstaben des georgischen Alphabets zeigt. Daneben steht ein Riesenrad und der Leuchtturm sowie die hier berühmte acht Meter hohe Stahlskulptur Ali und Nino. Die beiden Figuren stellen einen muslimischen Jungen, Ali, und eine georgische Prinzessin, Nino, aus einem Roman des aserbaidschanischen Autors Kurban Said dar. Die Statuen beginnen sich zu bewegen, verschmelzen für eine kurze Umarmung bevor sie sich nach dem gegenseitigen Durchdringen wieder voneinander entfernen. Nach 10 Minuten ist die Bewegung beendet. Und unser Schnupperspaziergang am Batumi Boulevard auch. Auf der Fahrt zum Hotel Iberia sehen wir moderne Hotelhochhäuser neben vielen Baustellen. Batumi hat sicherlich noch mehr zu bieten aber wir sind müde und bleiben bis zum Abendessen im Hotel.

Batumi - Bordschomi - Achalziche, 330 km

Donnerstag, 03. Juli. Wieder ein langer Fahrtag. Wir müssen nach Achalziche einen Riesenumweg fahren weil die direkte Verbindungsstraße nicht durchgängig befestigt und insbesondere bei Regenwetter nicht zu empfehlen ist. Wir halten am Kloster Ubisa, das wegen seiner gut erhaltenen Fresken aus dem 14. Jahrhundert sehenswert ist. Nächster Stopp ist Bordschomi, einem Kurort im kleinen Kaukasus, der für seine Naturschönheit und seine Heilquellen bekannt ist. Hier gibt es mittags Khachapuri, knuspriges Brot mit Käse und dem Gelben vom Ei. In Achalziche checken wir im Grand Hotel ein. Dann ziehen wir los zur Besichtigung der großen Festungsanlage. Die Besichtigung des unteren Teils der Anlage ist kostenfrei und es gibt dort ein Hotel, ein Infozentrum, mehrere Türme mit Zinnenmauern, sowie ein auf Terrassen angelegter Weingarten und eine kleine Allee zum flanieren. Im kostenpflichtigen oberen Teil der Anlage befinden sich eine Kirche, die ehemalige Moschee, das Gebäude der Madrasa (Religionsschule), der Hauptturm mit Zitadelle, Gefängniszellen, Amphitheater, ein kleiner Garten mit Wasserbrunnen und das historisch ethnographische Museum. Wir entscheiden uns gegen den Besuch weil es schon spät nachmittag und stark bewölkt ist, also kein Fotolicht mehr. Im Restaurant Kessane kommen wir mit dem Wirt ins Gespräch, der uns stolz erzählt, dass sein Sohn in Mannheim Fahrzeugtechnik studiert und neue Autos entwickeln will. Später gesellen sich mehr Leute zu uns.

Achalziche - Wardsia, 65 km

Freitag, 04. Juli. Unsere Fahrt heute folgt dem Flusslauf der Kura nach Süden. Erster Stopp ist bei der Festung Khertvisi, die auf einem Hügel über dem Fluss thront. Die Festung stammt aus der Zeit der Großen Seidenstraße. Heute sieht man hinter den mächtigen Festungsmauern die Ruinen der Kirche und eines Tunnels, der zum Fluss führt. Wir nehmen uns Zeit für einen Spaziergang über die kleine Hängebrücke und für einen georgischen Kaffee. Dann geht es weiter zur Höhlenstadt Wardsia (Vardzia). Kurz vor dem Ziel noch ein Fotostopp von einem Aussichtspunkt am Flussufer. Hier bekommt man einen Eindruck von der Dimension des Komplexes. Bauherren waren Königin Tamar ( *um 1160, †1213) und ihr Vater. Die Höhlenstadt Wardsia (Vardzia) wurde 500m über dem Fluss Kura von Hand aus dem Tuffstein des Eruscheti-Berges herausgeschlagen. Auf 13 Etagen verteilten sich ca. 6.000 Räume, die 50.000 Menschen Herberge und Schutz boten. Später fungierte der Komplex als Kloster und eine kleine Gruppe von Mönchen lebt noch immer in Wardsia. Die Klosterkirche Maria Himmelfahrt zeigt gut erhaltene farbige Fresken der beiden Bauherren.
Wir nehmen ein Shuttletaxi für die Auffahrt und sparen unsere Kräfte angesichts der anstehenden Besichtigung. Wir übernachten in Valodia's Cottages, einem idyllisch am Fluss gelegenen Familienhotel, das einen eigenen Bauernhof, Gewächshaus, eine eigene Forellenfischfarm, einen Weinberg mit Weingut, Gemüsefelder und einen Blumengarten bewirtschaftet. Am Abend werden wir mit fangfrischen Forellen verwöhnt.

Wardsia - Jerewan, Armenien 255 km

Samstag, 05. Juli. Wir verlassen Georgien und fahren nach Armenien. Das Land hat zahlreiche soziale Probleme, darunter Armut, hohe Arbeitslosenquoten, Korruption und unzureichende öffentliche Dienstleistungen. Armenien hat ein vergleichsweise gutes Bildungssystem. Viele junge Menschen erwerben Abschlüsse in Mathematik, Informatik, Ingenieurwissenschaften oder Medizin – zum Teil auf sehr hohem Niveau. Doch passende Jobs finden sie im eigenen Land kaum. Sie verlassen ihre Heimat, arbeiten im Ausland und schicken regelmäßig Geld zur Unterstützung Angehöriger nach Hause. Diese Geldtransfers machen etwa 10-15 % des armenischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, ein Zeichen dafür, wie stark Armenien von seiner Diaspora abhängig ist.
Auf unserer Fahrt durch den Kleinen Kaukasus nach Jerewan geht es durch ein Mosaik aus Bergzügen mit blühenden Wiesen und dazwischen liegende Steppen und Halbwüsten. Am Rastplatz zur Mittagspause fotographiert Bernd einen traditionellen Brotbackofen. In Armenien leben 3 Mio Menschen, gut die Hälfte davon lebt in der Hauptstadt Jerewan. Wir erreichen unser Hotel Imperial Palace am späten Nachmittag. Ein kurzer Spaziergang ums Eck führt uns zum Poplavok Park wo wir im Jazz Cafe bei Live Musik und einem guten Rotwein den Abend verbringen.

Jerewan

Sonntag, 06. Juli. Wir treffen uns zum Stadtrundgang mit Steffen. Wir laufen zur Kaskade. Das ist eine 120 Meter hohe Treppe, die aus fünf Ebenen besteht, von denen jede über ein Plateau verfügt und viele schöne Skulpturen zeitgenössischer Kunst beherbergt. Sie wurde in den siebziger Jahren erbaut, und in eine Open-Air-Kunstgalerie umgewandelt. Von oben hat man freie Sicht auf das Zentrum von Jerewan und bei klarem Himmel auf den Berg Ararat. Heute bleibt er hinter Wolken. Wir laufen zur Oper und über die Northern Avenue zum Platz der Republik. Am Abend sind wir wieder im Poplavok Jazz Cafe.

Jerewan und Umgebung

Montag, 07. Juli. Wir erkunden die Umgebung von Jerewan. Dafür haben wir zwei Halbtagesausflüge zu einem Ganztagsausflug zusammengelegt und einen lokalen Reiseführer gebucht. Er heißt Artur und spricht gut deutsch, das er in der Schule als Fremdsprache gelernt hat. Er wurde Reiseleiter und konnte sein Land mehrmals auf der ITB vorstellen. Er ist stolz, das er mit dem Erlernen der deutschen Sprache sein Leben finanzieren kann.
Auf dem Weg zu den Ruinen der Kathedrale von Swartnoz gibt es das erste Mal Sicht auf den Berg Ararat. Weiter fahren wir nach Etschmiadsin, dem religiösen Zentrum Armeniens. Hier erfahren wir von Hripsime und Gajane, zwei christlichen Nonnen, die Zuflucht in Armenien fanden. Der armenischen König Trdat (*250, †330) lies sie grausam foltern und töten, nachdem Hripsime sich weigerte, seine Heiratsanträge anzunehmen. Nach ihrem Tod wurde der König bekehrt und nahm das Christentum als Staatsreligion an. Hripsime und Gajane werden als Märtyrerinnen verehrt und ihnen zu Ehren wurden die Kirchen Sankt Hripsime und Sankt Gajane erbaut. Höhepunkt des Ortes ist die Kathedrale von Etschmiadsin, der ältesten Kirche Armeniens in einer sehr gepflegten Klosteranlage. Die Kathedrale ist der Sitz des christlichen Oberhauptes des Landes, des Katholikos. Die Anlage nennt man auch armenischer Vatikan. Wir fahren zurück nach Jerewan und besuchen Zizernakaberd, das Mahnmal für das Massaker an in Anatolien lebenden Armeniern durch das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg 1915/16. Der Denkmalkomplex besteht aus einem 44 Meter hohen Obelisken, der der Länge nach gespalten ist, zwölf Pylonen rings um die ewige Flamme und einer 100 Meter langen Mauer mit den Namen der Städte und Dörfer, in denen die Opfer des Massakers wohnten. Zum Komplex gehört noch ein Park mit Bäumen, gepflanzt oder gespendet aus Anteilnahme aus der ganzen Welt sowie ein Museum, das heute geschlossen ist. Unser nächstes Ziel ist westlich von Jerewan der Tempel von Garni, dem einzigen Tempel griechischer Bauart in Armenien, ursprünglich dem Sonnengott Mithra gewidmet. Wir sparen den Eintritt und erholen uns im Schatten eines Cafes. In der Nähe des Tempels befindet sich ein geologisches Phänomen. Die Symphonie der Steine besteht aus großen, perfekt geformten Basaltsäulen, die sich entlang der Wände der Schlucht erstrecken wie die Orgelpfeifen einer gigantischen Kathedrale. Wenn der Wind durch die Schlucht weht erzeugt dies einen Klang, der einer Symphonie ähnelt – daher der Name "Symphonie der Steine". Das letzte Highlight heute ist Kloster Geghard, das für seine teilweise in den Fels gehauenen Räume bzw. die Nutzung von Höhlen bekannt ist.

Jerewan - Chor Virap - Noravank - Goris, 265 km

Dienstag, 08. Juli. Dem Kloster Chor Virap sagt man nach, es sei der meistbesuchte Ort in Armenien, mit der besten Aussicht auf den biblischen Berg Ararat. Das Kloster tritt hier als Fotomotiv in den Hintergrund. Bernd stand 2006 auf dem Gipfel des Ararats (5.137m) und blickt heute in ganz eigener Stimmung auf seinen Berg.
Weiter geht es in die Region Vayots Dzor die für ihre Berglandschaft bekannt ist. Insbesondere das Dorf Areni ist seit Jahrtausenden die Wiege des armenischen Weinbaus. Grund genug, das Weingut Hin Areni zu besuchen. Nach einer kurzen Führung verkosten wir drei Schlückchen Classic-Premiumweine bevor wir weiterfahren in der kurvenreiche Amaghu-Schlucht (Teil des Vayots-Dzor-Gebirges) zum Kloster Noravank, das im 13. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung erbaut wurde. Über das armenische Stonehenge Zorats Karer fahren wir ins Hotel in Goris. Goris liegt in einem von Bergen umgebenen Talkessel auf etwa 1.400 bis 1.600 Metern Höhe. Die umliegenden Höhenzüge gehören zum Zangezur-Gebirge, das hier besonders markant und zerklüftet ist, eine wunderschöne Berglandschaft.

Goris und Umgebung

Mittwoch, 09. Juli. Wir besuchen die Höhlenstadt Chndsoresk. Das alte Dorf befindet sich auf dem steilen Abhang von zwei Hügeln, die nur über eine 160m lange Hängebrücke verbunden sind ist. Am Abend stoßen wir an auf Bernhards Geburtstag.

Goris - Selim Pass - SewanSee, 260 km

Donnerstag, 10. Juli. Wir fahren etwa zwei Stunden auf derselben Straße zurück, die wir nach Goris gekommen sind. Wir halten kurz an einem Supermarkt, um uns für ein Mittagspicknick zu versorgen. Dann geht es auf der M10 eine spektakuläre Passstraße hinauf auf 2410 MüM zum Selim Pass. Wenig später sind wir schon am Picknickplatz, den Ruinen der Selim-Karawanserei, ein Handels- und Rastplatz , der im Jahr 1332 an der Großen Seidenstraße gebaut wurde. In einer zentralen Halle mit schmalen Seitenschiffen aus Basaltblöcken wurden die Tiere untergebracht, während Händler in den separaten Seitenräumen schliefen. Auf unserer Weiterfahrt verlassen wir das Gebirge. Das Wetter schlägt um. Beim Stopp am Noratisi-Friedhof regnet es in Strömen. Der Friedhof ist bekannt für seine große Anzahl an Kreuzsteinen. Unsere Besichtigung fällt sehr kurz aus. Das Kloster Sewanawank befindet sich auf einer kleinen Halbinsel am nordwestlichen Ufer des Sewansees. Es liegt auf einer Anhöhe, die über viele Treppenstufen erreichbar ist. Zahlreiche Souvenirverkäufer haben hier ihre Stände aufgebaut. Oben angekommen hat man eine gute Aussicht auf den Sewansee. Der Ort ist von Touristen sehr stark frequentiert. Unser Hotel Blue Sevan liegt am nordöstlichen Ufer im Nirgendwo.

Sewansee - Alawerdi, 180 km

Freitag, 11. Juli. Am Vormittag besuchen wir das Kloster Haghartsin, danach das Kloster Goschavankh. Gegen Mittag halten wir in dem kleinen Ort Dilidschan, im Mittelalter der Urlaubsort der armenischen Könige und während der Sowjetzeit kamen die Parteibosse aus Moskau hierher zur Kur. Wir fahren weiter entlang der Flüsse Tandzut, Pambak und Debed nach Alawerdi. Die Stadt Alawerdi ist geprägt von einer riesigen Industriebrache aus der Sowjetzeit. Aber der Fluss Debed hat einen tiefen Canyon geschaffen, der sich wie ein Riss durch die Landschaft zieht. Vom Kloster Haghpat ist der Ausblick auf die Schlucht und die Plateaus spektakulär. Auch in unserem Hotel, dem Kefilyan Family Hotel genießen wir die Aussicht von einer großen Terrasse.

Alawerdi - Tiflis, 170 km

Samstag, 12. Juli. Zum Tagesauftak gibts wieder zwei Klöster, zunächst Kloster Sanahin, danach Kloster Achtala. Etwa mittags sind wir am Grenzübergang. Wir verlassen Armenien und reisen zurück nach Georgien. Wir müssen eine Weile auf unseren Bus warten, dann gibt es noch mal eine Kaffeepause und weiter geht es nach Tiblissi zur Sameba Kathedrale und zurück zum Hotel Moxy.

Tiflis

Sonntag, 13. Juli. Die Gruppe unternimmt einen Ausflug zum Kloster David Gareja. Wir haben genügend Klöster gesehen und bleiben in Tiblissi. Am Abend verabschieden wir uns mit unserem "Dankeschön" von Steffen. Wenn ich mich nicht verrechnet habe sind wir 3075km zusammen unterwegs gewesen und haben neben großartiger Landschaft, Kirchen und Kathedralen etwa 20 Klosteranlagen besichtigt. Wir hatten eine gute Zeit zusammen. Morgen fliegen wir nach Hause.