Öresundbrücke
Schrägseilbrücke die das dänische Kopenhagen mit dem schwedischen Malmö verbindet. Gesamtlänge knapp 8 km. Eröffnung im Juli 2000. Die mittleren Pylone aus Stahlbeton sind 206 m hoch. Lichte Durchfahrtshöhe 57 m.




Kopenhagen - Greifswald

Kopenhagen

Samstag 12. September. Das anhaltend schlechte Wetter bremst die Unternehmungslust. Ein Mann auf einem vorbeifahrenden Boot liest unseren Heimathafen am Heck und fragt, wie man wohl von Frankfurt Main nach Kopenhagen segelt. Eva ruft spontan: über Amsterdam, worauf der Mann einsichtig nickt. Von unserem Liegeplatz sehen wir ein Wahrzeichen der Stadt, den Turm der Erlöserkirche (Vor Frelsers Kirke). Die Barockkirche im Stadtteil Christianshafen wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Der Kirchturm hat eine außen verlaufende Wendeltreppe, auf der man zur Kirchturmspitze aufsteigen kann. Im Turminneren befindet sich ein Carillon (Glockenspiel) mit 48 Glocken. Nachmittags ertönt vom Carillon die Filmmusik der Olsenbande. Als wir die Kirche besichtigen wollen ist sie wegen einer Hochzeit geschlossen. Wir können aber einen kurzen Blick ins Innere werfen - beeindruckend. Am Spätnachmittag gehen wir wieder zur Strøget, vorbei an der alten Börse und dem Finanzministerium. In einer kleinen Seitenstraße entdeckt Bernd "Jensens Bøfhus", eine Restaurantkette, die wir von Lübeck kennen. Hier gibt es schmackhafte Steaks und Spareribs, also nichts wie hinein. Ein halber Liter Pils kostet 57DKK=7,70€, Ribs und Rumpsteak kosten je 149DKK=20,20€. Was wie nicht wussten, zum Mittagstisch bis 16 Uhr kostet das gleiche Hauptgericht nur 79DKK=10,70€. Abends ein Aufpreis von fast 100%. Aber das scheint niemanden zu stören, die Gaststätten ist gut besucht.

Am nächsten Morgen trommelt der Regen auf das Deck. Keine Eile aufzustehen. Beim Frühstück schalten wir die Heizung an, so kalt ist es. Die Wettervorhersage macht uns auch nicht glücklich. Neben uns legt eine Segeljacht an, deren Segel bei dem Wellenritt hierher gerissen ist. Die Crew hat das Boot mit Skipper gechartert und muss ungeachtet aller Wettervorhersagen morgen weiter nach Kiel. Aber die Stimmung ist entspannt und ansteckend. Am Abend schlägt Eva vor, morgen 10sm nach Dragør zu fahren. Vielleicht gibt es dort Internet.

Kopenhagen - Dragør

Montag 14. September. Ideen müssen umgesetzt werden. Wir schauen nochmal die Wetterkarte an, 15-24kn Wind, 0,6m Welle - wird schon gehen. Wir verlassen den geschützten Kopenhagener Hafen über Lynetteloebet. Der Wind frischt auf über 30kn auf (7Bft) und weht uns direkt auf die Nase. Die Welle eher 2m. Da müssen wir jetzt durch. Gischt spritzt überall. "Impuls" knallt in die Wellentäler. Im Drogden Fahrwasser versuchen wir das Vorsegel im dritten Reff zu setzen, aber wir fahren zu hoch am Wind. Das Bergen des Segels wird zum Kraftakt. Zum Glück scheint die Sonne. Vor der Hafeneinfahrt Dragør bauen sich die Wellen nochmal ordentlich auf und wir surfen auf einer Welle in den nördlichen Hafen (Gammel Havn 2). Der Ritt hat sich gelohnt, wir haben Internet am Liegeplatz

Dragør

Dragør (11.500 Einwohner) ist ein kleiner Ort an der Südspitze der Insel Amager, der im 15. Jahrhundert durch Heringshandel bekannt war. Nach dem Rückgang der Heringsfischerei begannen viele Fischer, Schiffe durch den Öresund zu lotsen. 1684 erhielten sie von Christian V. die königliche Ermächtigung für ihre Lotsendienste. Der Flughafen Kopenhagen-Kastrup befindet sich nördlich der Stadt. Wir schlendern die Hauptstraße entlang zur Kirche und in die Altstadt, die von ockergelben Schifferhäusern mit dunkelgrüner Fensterbemalung geprägt ist. Zurück im Hafen bläst ein kräftiger, kalter Südwind. Am Spätnachmittag gehen wir zu Bellanos Pizzeria. Neue Erkenntnis: man kann Pizza auch so backen, dass sie Sch..... schmeckt. Abends gewittert es.

Eigentlich wollten wir heute früh nach Rødvig segeln. Als der Wecker klingelt, pfeifft der Wind derart durch die Wanten, dass wir das Vorhaben aufgeben. Heute Abend soll es nochmal Starkwind geben, nächstes Wetterfenster wäre Freitag. Aber die Starkwindperiode hält weiter an. Wir planen neu: Start am Samstag sehr früh und dann nicht nach Rødvig, sondern gleich nach Klintholm.

Wir statten dem Dragør Fort einen Besuch ab. Auf einer künstlichen Insel wurde es von 1910 bis 1915 erbaut und sollte ein feindliches Bombardement vom Meer aus verhindern. Jetzt ist es in Privatbesitz und beherbergt ein Restaurant und ein Hotel. Wir besteigen den höchsten Punkt des Forts und haben einen herrlichen Rundblick über Dragørs Hafenanlagen. Im Meer sieht man den Offshore-Windpark Lillgrund und die Öresundbrücke. Auf dem Rückweg kommen wir an der Fischräucherei (Røgeri) im Hafen vorbei und kaufen Stremellachs - sehr lecker.

Dragør - Klintholm

Samstag 19. September. Klintholm Havn (200 Einwohner) ist ein Fischerdorf und ein Ferienort an der Südküste der Insel Møn. Wir starten 7:50 Uhr. Wider erwarten sind draußen hohe Wellen. Wir setzen Groß- und Vorsegel und segeln hart am Wind Richtung Klintholm. Nach drei Stunden haben wir noch 25sm vor uns bis zum Leuchtturm Møn. An Sb zieht eine schwarze Wand herauf. Wir lassen den Motor an um wegzukommen aber dem Platzregen können wir nicht ausweichen. Nach dem Regen sieht man querab die Kreidefelsen von der Halbinsel Stevns, achteraus einen Regenbogen. In der Ferne tauchen bald die Kreidefelsen der Insel Møn auf. Wir kommen vorbei am Leuchtturm, und müssen auf dem Weg zur Hafeneinfahrt sehr vielen Stellnetzen ausweichen. Als wir am späten Nachmittag nach 44 sm anlegen scheint die Sonne. Die Marina ist so gut wie leer. Der Automat für die Liegegebühr ist "out of order". Eva ruft den Hafenmeister an und bekommt problemlos den Internetzugang.

Am nächsten Morgen tritt Eva in den Segelstreik. Wir schauen uns die Wetterkarten nochmal an. Windstärke wurde nach oben korrigiert und im Bereich Hiddensees soll es den ganzen Tag regnen. Wir kommen überein, den Tag hier zu verbringen und morgen weiter zu fahren. Am Mittag scheint die Sonne. Über dem Meer ziehen Cumulus-Wolken-Gebirge gen Osten. Der Windmesser zeigt 5Bft an. Etwas später regnet es.

Klintholm - Barhöft

Montag 21. September. 06:10 Uhr klingelt der Wecker. Kaffee kochen, Frühstück, und dann soll es nicht wie ursprünglich geplant nach Kloster oder Wiek gehen, sondern gleich nach Barhöft. Der Himmel ist leicht bewölkt, Wind 4Bft aus NW, später auf W drehend. Wir kommen gut voran und passieren 10:20 Uhr das betonnte Fahrwasser der Großschifffahrt und eine Stunde später die Nordtonne Platagnet Grund. Sb liegt der Windpark Baltic 1, Bb voraus die Nordspitze von Hiddensee mit den Leuchtturm Dornbusch. Der Wind frischt auf, wir fahren Groß- und Vorsegel im 1. Reff und bald passieren wir das Tonnenpaar vor dem Leuchtturm Gellen. Dann surfen wir mit 7kn im betonnten Fahrwasser bis kurz vor Barhöft. Direkt vor dem Hafen bergen wir die Segel und legen auf unserem alten Liegeplatz an. Der Hafen ist fast leer. Der Hafenmeister meint, das Internet wäre seit drei Tagen kaputt - Willkommen in Deutschland. Ein Angler am Steg holt im 30 Sekunden Takt einen Barsch nach dem anderen an Land - irre.

Barhöft - Stralsund - Gustow - Neuhof

Dienstag 22. September. Heute sollte unser letzter Segeltag der Saison sein. Wir wollen mit einem Schlag nach Greifswald, aber es wird Skippers Murphy-Day. Hier sein Bericht: Die Ziegelgrabenbrücke Stralsund öffnet 12:20. Von hier bis zur Brücke sind es 9,5sm, also sollten wir gegen 10:00 starten. Gesagt, getan - und schon gibt es das erste Problem. Ich wollte gerade die Achterleine loswerfen, als ich sah, dass das Elektrokabel noch angeschlossen ist. Abbruch des Ablegemanövers, Kabel einholen. "Irgendwann passiert so etwas das erste Mal" tröstet mich Eva. Die Ausfahrt aus Barhöft ist eine schmale, ausgebaggerte Rinne. Von draußen kommt ein Einhandsegler, stellt sich quer in den Wind um sein Großsegel zu bergen. Als ich ausweiche piepst das Echolot und schon laufe ich auf Grund und stecke fest. Der SE-Wind drückt mich noch weiter ins Flachwasser. Zum Glück komme ich aus eigener Kraft frei. Der Einhandsegler grüßt verschämt und schuldbewusst. Weiter nach Stralsund. Es fängt an zu regnen, der Wind bläst mit 6Bft auf die Nase, also aus SE, obwohl Westwind vorhergesagt war. Im betonnten Fahrwasser kommt ein großes Arbeitsboot und fährt auf der falschen Seite. Kein Signal für manövrierbehindert gesetzt. Ich weiche nach Bb aus, er nach Sb, dann überlegt er es sich nochmal, tutet zweimal kurz (d.h. ich drehe nach Bb) und so passieren wir uns an Sb, also eigentlich auf der falschen Seite. An der Stralsunder Ziegelgrabenbrücke dann das nächste Malheur. 12:20 öffnet der hintere Teil der Brücke mit den Eisenbahnschienen. Der vordere Teil, die Straßenbrücke geht nicht auf. Ein Defekt. Nachdem die Signallichter doppelrot zeigen, kehren wir um und machen in der Citymarina Stralsund fest. Da heute nicht mein Tag ist, trete ich auf dem Fingersteg auch noch in einem Haufen, den ein Vierbeiner dort hinterlassen hat. Nächste Brückenöffnung ist 15:20, falls man den Defekt behoben hat. Wir sollen vorher nochmal anrufen. Ich überschlage kurz: 19:10 Sonnenuntergang, 20:00 Wiecker Brücke, 20:30 ETA Greifswald, könnte noch klappen. Aber da heute nicht mein Tag ist, schaue ich vorsichtshalber nochmal die Wiecker Brückenöffnungszeiten an und siehe da, ab 7. September letzte Brückenöffnung 19:00. Neue Überlegungen. Drei Stunden Vollgas? Heute lieber nicht. Stralsund - auf unserem Liegeplatz kein Internet und unangenehmer Schwell. Puddemin - ist mit 1,5 Wassertiefe zu flach. Stahlbrode - Eva ruft dort an, kein Internet, nein Danke. Neuhof - gute Gaststätte aber das letzte mal kein Internet. Gustow - da hatte ich doch irgendwo gelesen: "Alle Liegeplätze sind mit WLAN ausgestattet", wir versuchen es. Kurz vor 15:00 ruft E. wegen der Brücke an. Die Antwort: vielleicht. Wir legen ab. Der hintere Teil der Brücke öffnet sich und verspätet dann die Straßenbrücke. Wir kommen tatsächlich durch. Eine Stunde später legen wir in Gustow an, möglichst nahe am Hafenmeister wegen des WLANs. Kurzer Check - kein Hotspot! Eva spricht nochmal mit dem Hafenmeister, der von WLAN am Steg nichts weiß. Ein bisschen ist er irritiert, als Eva ihm mitteilt, dass wir dann natürlich weiterfahren. Solche Lügen wollen wir nicht hinnehmen, also quer über den Sund nach Neuhof. Dort gibt es ja diese nette Gaststätte. Beim Anlegen neues Malheur: die Achterleine an der Dalbe bringt mich aus dem Gleichgewicht, ich versuche mich am Steuerrad festzuhalten. Schlechte Idee- es dreht sich weg und ich falle kopfüber in die Plicht. "Irgendwann passiert so etwas immer das erste Mal" geht es mir noch durch den Kopf. Außer einer Beule ist nichts passiert. Wie es weitergeht lässt sich erahnen, die Gaststätte hat Ruhetag, im Hafenkontor ist keiner mehr da. Aber jetzt das Positive. Eva ruft die Notfallnummer der Marina an und bekommt ein Passwort für das WLAN. Wir haben Internet! Abends gibt es leckeres aus der Bordküche, Windstille, badischen Gutedel und Internet TV. Was für ein Tag.

Neuhof - Greifswald

Am Morgen ist Windstille. Wir motoren bis zum Greifswalder Bodden. Dann das letzte mal für die Saison Segel gesetzt. Bei schwachem Wind mit wenig Fahrt zur Ansteuertonne Greifswald. 15:00 passieren wir die Wiecker Brücke. Die alte Klapprücke ist abgebaut, nur eine kleine Fußgängerbrücke wird beiseite geschoben. Gegen 15:40 legen wir am Liegeplatz B1 an. Da wir hier Winterlager gebucht haben, erlässt uns der Hafenmeister die Hafengebühr. Den Segelsommer wollen wir mit einem würdigen Abendessen abschließen. Wir gehen dafür ins "Theater Cafe" mit seinem schönen Ambiente.

Greifswald

Samstag 03. Oktober. Heute feiert Deutschland Silberhochzeit - 25 Jahre Deutsche Einheit. In der Online-Zeitung lesen wir: "Als die Welt noch geteilt war, bedeutete Westen Trost und Verheißung. Es war der Ort, an dem alles besser war, der Ort der Sehnsucht. Heute ist Westen nur noch Himmelsrichtung für Schlechtwetter."



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